Die Einweihung des Königs

Die Einweihung des Königs

Es war einst ein guter, frommer König, der sein Reich gerecht, göttlich und höchst zufriedenstellend regierte. Jeder war zufrieden mit ihm und stolz auf ihn. Doch es kam eine Zeit in der den König ein inneres Verlangen nach einer Einweihung überkam. Er verspürte einen brennenden Schrei nach innerem Frieden und innerem Licht. So verließ er sein Königreich und ging zu einem spirituellen Meister um eine Einweihung zu erhalten.

Der spirituelle Meister sagte zu ihm:“ Ich werde dich einweihen wenn du bereit dafür bist. Zurzeit bist du nicht bereit für eine Einweihung.“

Der König nahm die Worte des Meisters an. Er verbeugte sich vor dem Meister und sprach:“ Ich werde alles tun was ihr von mir verlangt. Ich bitte euch nur darum mich als euren Schüler anzunehmen.“

Der Meister sagte:“ Ja, ich werde dich als meine Schüler annehmen. Von nun an wirst du jeden Tag auf die Spitze des Berges steigen und gemeinsam mit meinen anderen Schülern Bäume fällen, denn wir benötigen Brennstoff um unser Essen zu kochen. Ebenso wirst du die Kühe zum Grasen auf das Feld führen, wie es die anderen Schüler tun und du wirst Hausarbeit leisten.“

Der König erklärte sich bereit. Jeden Tag ging er mit den anderen Schülern, die seine spirituellen Brüder waren und verrichtete Hausarbeit um den Meister zufrieden zu stellen. Obgleich des König niemals solche arbeit verrichtet hatte, gab er bei seiner Arbeit sein Bestes und sie wurde mehr oder weniger zufriedenstellend.

Eines Tages war er dabei einen Baum zu fällen, doch er arbeitete icht schnell genug. Einer seiner Brüderschüler versetzte ihm einen flotten Klaps: “ Du arbeitest so langsam. Der Meister wird zornig werden, wenn wir so langsam arbeiten. Arbeite nicht so langsam!“

Nun entstammte dieser Bursche einer sehr niedrigen Kaste; er war ein Unberührbarer. Doch der Meister akzeptierte Schüler aller Katsten und in seinen Augen hatten alle den selben Rang. Der König sagte nichts zu dem Unberührbaren, doch im stillen sagte er zu sich: “ Weiss er nicht wer ich war? Hätte er dies getan als ich der König war hätten meine Männer ihn unmittelbar getötet. nun habe ich das spirituelle Leben angenommen, daher ist er sicher. Gott segne seine Unwissenheit. Er wollte wissen wer ich war und wer ich bin.“

Einige zeit war vergangen und wieder trat der König vor den Meister. Er kniete nieder und sprach:“ Viele die nach mir gekommen sind wurden eingeweiht. Ich jedoch bin weiter uneingeweiht. Wann wird meine Zeit kommen?“

Der Meister sprach, „Eines Tages wird deine Zeit kommen, aber sie ist noch nicht gekommen. es wird dauern. Immernoch geniesst du den Stolz ein König gewesen zu sein. Solange du deinen Stolz-Reichtum geniesst und schätzt, wird eine Einweihung ein fernes Ziel bleiben. Besiege deinen Stolz und ich werde dich einweihen. Bis du deinen Stolz beseigt hast, erwarte nicht von mir dich einzuweihen.“

Der König berührte de Füße des Meisters: „Von nun an werde ich höchst seelenvoll versuchen meinen größten Feind, den Stolz zu besiegen und so zu einem würdigen Instrument für eure Einweihung zu werden.“

Des Meister sprach, „Vesuche es mein Kind, du wirst unweigerlich Erfolg haben.“

Und so kam es nach einiger Zeit, dass der König seinen Stolz besiegte und von dem Meister eingeweiht wurde.

Sri Chinmoy, Great Indian meals: divinely delicious and supremely nourishing, part 01,
Agni Press, 1979

Bild: qayyaq / pixelio.de

Babar nimmt ein Leben

Babar nimmt ein Leben

Es gab nichts, wovor der große Kaiser Babar gezögert hätte, es für sein Volk zu tun. Er pflegte seine Staatsangehörigen als seine eigenen Kinder zu betrachten. Von Zeit zu Zeit verließ Babar sein Schlossgelände um durch die Straßen zu gehen und sich unter sein Folk zu mischen, um zu sehen in welchen Umständen sie lebten. Wenn er jemanden sah, der verarmt war, half er ihm aus. Die Leute erkannten ihn nicht, weil er sich zu diesen Ausgängen sehr einfach kleidete. Zudem trug er eine Art Turban über seiner Krone. So war es für die Leute unmöglich zu erkennen was es war, wenn sie nur das Äußere sahen.

Nun begab es sich, dass es einen Jungen Mann gab, der Babar gegenüber gewaltigen Neid empfand, weil jeder ihn wertschätzte, bewunderte und verehrte. Jeder lobte Babar stets bis zum Himmel für seinen Mut, seine Güte, seine Vornehmheit und andere göttliche Qualitäten. Aus diesem Grund hegte der junge Mann den Wunsch Babar zu töten. Er hatte gehört, dass der Kaiser von Zeit zu Zeit ganz allein durch die Stadt ging. Deshalb trug er stets ein Schwert mit sich, darauf hoffend, dass er den Kaiser eines Tages antreffen würde wenn dieser allein war und dann Gelegenheit haben würde ihn zu töten.

Für gewöhnlich folgten Babars Wachen ihm heimlich um ihn zu beschützen, wenn Babar den Palast verließ. Obwohl Babar nicht wollte, dass jemand ihn begleitete, sorgten sich die Wachen um seine Sicherheit. Babar war der Herrscher des gesamten Reiches, aber in dieser Hinsicht hörten seine Leibwachen nicht auf ihn.

An einem bestimmten Nachmittag, gelang es dem Kaiser alleine, ohne seine Wachen auszugehen. Als Babar so inkognito vor sich her ging sah er einen wildgewordenen Elefanten die Straße entlang rasen. Die Leute schrieen und flohen vor dem Elefanten, alle brachen in Panik aus. Aber dort war ein kleines, hilfloses Kind, das nicht schnell genug rennen konnte um dem Elefanten aus dem Weg gehen. Jeder war zu Tode erschrocken, doch niemand wagte es den Versuch zu unternehmen das Kind zu retten. Gerade in dem Moment als der Elefant kurz davor war das Kind zu zertrampeln, rannte der Kaiser blitzschnell herüber und riss das Kind aus dem Weg. Babar rettete das Kind, doch als er mit ihm davon rannte fiel sein Turban zu Boden.

Als der Elefant vorbeigerannt war, kamen einige Männer gerannt, um den Turban des tapferen Helden aufzuheben. Als sie das Innere erblickten, erkannten sie, dass es sich eigentlich um die Krone ihres Kaisers handelte. Der junge Mann, der Babar zu töten gewünscht hatte, war einer derjenigen, die den Kaiser hatten das Kind retten sehen. Obwohl er selbst gewusst hatte, dass das Leben des Kindes in Gefahr gewesen war, war er nicht mutig genug gewesen um den Versuch zu unternehmen das Kind zu retten. Er war davon gerannt, genau wie all die anderen. Als ihm klar wurde was geschehen war, fiel er Babar zu Füßen und sprach: „Vergib mir.“

Babar sagte: „Was hast du getan?“

Der Mann sprach: „Für viele Jahre habe ich den Wunsch gehegt dich zu töten, weil ich schrecklich neidisch auf die Verehrung die dir zukommt. Nun sehe ich, dass du sie wahrlich verdienst. Als Kaiser bist du Wertvoller für das Reich als jeder von uns, aber du warst bereit dein eigenes Leben zu geben, um einen gewöhnlichen Menschen zu retten. Was ich von dir gelernt habe ist, dass es unendlich viel besser ist Leben zu geben als Leben zu nehmen. Das ist was du mich gelehrt hast. Nun, anstatt dein Leben zu nehmen, gebe ich dir das meinige. Bitte nimm mein Leben.“ Dann reichte er Babar das Schwert, mit dem er ihn zu töten geplant hatte.

Babar nahm das Schert und Sprach:“ Ich lehrte dich wie man leben gibt. Nun werde ich dein Leben nehmen. Komm mit mir. Von nun an wirst du einer meiner Leibwächter sein. Ich kann sehen, dass deine Aufrichtigkeit wahrlich außerordentlich ist, und ich bin sicher, dass du ein treuer Wächter sein wirst.“

So nahm Babar das Leben des Mannes, nur um es in ein fruchtbares und nützliches zu verwandeln. Anstatt ihn zu töten, anstatt ihn zu bestrafen machte Babar ihn zu einem seiner persönlichen Wachen.

 

Aus dem Buch: Illumination-experiences on Indian soil, part 1, Sri Chinmoy, Agni Press, 1974

Übersetzung: Magdalena Lewosinska
Bild:
Richard /pixelio.de

Die zwei Göttinnen

Die zwei Göttinnen

Es waren einst zwei benachbarte Familien, die sehr, sehr nett und sehr, sehr gütig zueinander waren. Beide Ehemänner und Ehefrauen standen sich sehr nahe. Ebenso waren beide Familien sehr reich. Wie wurden sie reich? In einer Familie betete die Ehefrau zur Göttin des Reichtums : “ Oh Göttin des Reichtum, komm und mach mich reich, komm und mache meinen Ehemann reich!“ Schließlich erschien ihr die Göttin und die Frau flehte sie an: „Bleibe auf ewig mit mir.“ Die Göttin tat worum die Frau sie gebeten hatte, und so wurde dieses Ehepaar sehr, sehr reich.

Die andere Ehefrau betete zur Göttin der Not: „Oh Göttin der Not, komme niemals zu mir! Ich möchte immer glücklich sein.“ Die Göttin der Not erschien ihr und sprach: „Ich bin hier um dir mitzuteilen, dass ich nie mehr zu dir kommen werde.“ So wurde auch dieses Paar reich, da die Göttin der Not niemals zu ihnen kam.

Es begab sich, dass als ein drittes Paar in das selbe Dorf zog, die Frau sah, dass diese beiden Paare sehr, sehr glücklich waren. Heimlich fragte sie beide Ehefrauen wie sie so reich geworden waren. Nachdem sie es ihr gesagt hatten, beschloss sie ebenfalls mit dem Beten zu beiden, der Göttin des Reichtums und der Göttin der Not, zu beginnen. So hoffte sie, dass wenigsten eine der beiden Göttinnen das Notwendige tun würde. Sie betete: “ Oh Göttin des Reichtums, bitte komm zu mir! Oh Göttin der Not, bitte komme niemals zu mir!“

Nachdem die Ehefrau für einige Tage gebetet hatte, tauchten plötzlich beide Göttinnen gemeinsam vor ihr auf. Die Frau war so glücklich, so entzückt. Sie sagt zu ihnen: „Ich bin so dankbar, dass ihr beide gekommen seid.“ In ihrer Aufregung verwechselte die Frau die Göttin des Reichtums mit der Göttin der Not und sprach zu ihr: “ Bitte komme nie wieder hierher. Ich will und brauche dich nicht.“

Dann Sagte die Frau zur Göttin der Not, welche sie für die Göttin des Reichtums hielt: “ Bitte bleibe hier. Ich werde dir so dankbar sein.“

Die Göttin der Not sagte: “ Du willst mich? Gut, ich werde bei dir bleiben.“

Die Göttin des Reichtums sagte: „Du willst mich nicht? Dann werde ich auf ewig fortgehen.“

So blieb die Frau den Rest ihres Lebens arm.

Sri Chinmoys Kommentar:
Und die Moral von der Geschichte lautet, dass du wissen musst wofür du betest, wenn Gott schließlich kommt und vor dir steht. Sonst kann es passieren, dass du aufgeregt bist und um das Falsche bittest.

Wahrlich fortgeschrittene spirituelle Sucher wiederum werden Gott stets um die richtigen Dinge bitten. Vivekananda war so arm, dass er sich nichts leisten konnte. Als er Ramakrishna um Reichtum bat, sagte Ramakrishna zu ihm: “ Ich kann Mutter Kali nicht um Reichtum bitten, aber du gehe hin und frage sie.“

Sobald Viekananda in den Tempel eintrat um zu beten, konnte er sich nicht dazu überwinden Mutter Kali um Geld zu bitten. Er bat: „Gib mir Strebsamkeit. Gib mir die Stimme des Bewusstseins.“

Als Vivekananda zurückkehrte sagte Ramakrishna: “ Was hast du getan? Warum hast du nicht um materiellen Reichtum gebeten?“

Daraufhin ging Vivekananda ein zweites Mal zum Tempel, aber wieder konnte er nicht um Reichtum bitten. Schließlich sagte er zu Ramakrishna:“ Ich kann nicht um diese materiellen Dinge bitten.“
Dies ist der Unterschied zwischen Vivekananda und der unglücklichen Dame.

Ramakrishna sagte: „Ich wusste es, ich habe gewusst, dass du niemals in der Lage sein würdest Mutter Kali um materiellen Reichtum zu bitten. Aber Mutter Kali ist so zufrieden mit deiner Strebsamkeit, dass sie sich von nun an um deine Familie kümmern wird.“ 

Nach diesem Vorfall geriet Vivekananda niemals in finanzielle Schwierigkeiten. Zuvor hatte er gelitten, da all seine Verwandten sich gegen ihn gewandt hatten, und ihm nicht helfen wollten. Dann, durch Mutter Kali, war er in der Lage seine Familie zu unterstützen. Vivekananda war eine göttliche Seele, daher bat er um das Richtige und erhielt das Richtige: spirituellen Reichtum. Mutter Kali war so zufrieden, dass sie nicht nur seine spirituellen Bedürfnisse stillte, sondern auch die grundlegenden materiellen Bedürfnisse seiner Familie.

Aus dem Buch: Illumination-experiences on Indian soil, part 1, Sri Chinmoy, Agni Press, 1974
Übersetzung: Magdalena Lewosinska
Bild: stephen-knapp.com