Dies ist ein Auszug aus dem Buch: „A Twenty-First Century Seeker“ von Pradhan Balter                                                                                                                                                                                                   Copyright © 2019 by Pradhan Balter, Vervielfäligung jeglicher Art nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.

Das Buch ist auf Englisch hier erhältlich.

DAS ABC DER MEDITATION

Bevor wir mit unserer ersten Meditationsübung beginnen, richten wir unser Augenmerk zunächst auf ein paar grundlegende Dinge, die allen Meditationstechniken zugrunde liegen. Diese Basics sind:

  1. 1. Richtige Haltung beim Meditieren
  2. 2. Richtiges Atmen
  3. 3. Den Verstand ruhig machen
  4. 4. Das spirituelles Herz
  5. 5. Innere Gewissenhaftigkeit

1. RICHTIGE HALTUNG BEIM MEDITIEREN

Nein, du musst nicht mit überkreuzten Beinen in der Lotusstellung sitzen! Aber richtige Meditation erfordert, dass du deinen Rücken auf angenehme Weise gerade hältst. Die klassische Lotusstellung hilft den Rücken gerade zu halten, aber sie ist nicht unbedingt erforderlich. Dein inneres Streben ist weitaus wichtiger. Der Rücken sollte weder so steif sein wie bei Zen-Übungen, noch solle er zu entspannt sein. Versuche einfach auf angenehme Weise aufrecht zu sitzen. Ich bevorzuge den Begriff „wachsam“.

Vorzugsweise solltest du ohne Schuhe meditieren, entweder mit den Füßen flach auf dem Boden oder mit gekreuzten Beinen im Schneidersitz. Wenn du möchtest kannst du auf dem Boden sitzen. Dazu kannst du dir ein Kissen oder eine Matte als Hilfsmittel nehmen. Das Sitzen auf dem Boden ist nicht jedermanns Sache. Du kannst dich natürlich auch auf einen Stuhl setzen.

Deine Hände können in deinem Schoß oder auf deinen Beinen ruhen. Ich persönlich mag es auch, die Hände in Gebetshaltung vor dem Herzen zu falten. Das macht es leichter, sich auf das spirituelle Herz zu konzentrieren, dem Ort, dem ihr bei diesen Übungen eure innere Aufmerksamkeit schenken solltet.

Für die meisten Übungen empfehle ich, die Augen leicht geöffnet zu halten. In den ersten Übungensanweisungen bitte ich allerdings darum, die Augen zu schließen, da man sich anfangs mit geschlossenen Augen meist besser konzentrieren kann. Aber letztendlich wirst du mit leicht geöffneten Augen meditieren wollen. Dein inneres Wesen sollte für dich sowohl mit offenen wie auch mit geschlossenen Augen erreichbar sein, nicht wahr?

2. RICHTIGES ATMEN

Während du meditierst, wirst du wahrscheinlich merken, dass dein Atmen sanfter und flacher wird. Das ist richtig. Einige empfehlen, während der Meditation tief zu atmen, aber das ist bei diesen Übungen hier nicht der Fall. Außer bei bestimmten Atemübungen musst du deinem Atmen keine besondere Aufmerk- samkeit zukommen lassen. Er wird von alleine ruhiger und sanfter, sobald dein innerer Lärm abnimmt.

Diese Beziehung zwischen dem Ruhiger werden des Atems und der Abnahme des inneren Lärms ist kein Zufall. Tatsächlich kannst du diese Beziehung nutzen, um den rastlosen Verstand zur Ruhe zu bringen. Stelle dir einfach einen Faden vor, der vor deiner Nase baumelt, und atme so sanft, dass sich der imaginäre Faden kaum bewegen würde. Du wirst schnell feststellen: je ruhiger der Atem, umso ruhiger ist auch der Verstand.

3. DEN VERSTAND RUHIG MACHEN

Innere Stille ist nicht nur die Abwesenheit von Gedanken. Nein!

Stille ist das Erblühen unseres unbezwingbaren inneren Willens.

Stille ist unser Weisheitslicht.

– Sri Chinmoy

Letztendlich gelangen wir in die höchsten Ebenen der Meditation nur, wenn der Verstand absolut still ist. Dieser Grad der Meditation ist weit jenseits dessen, was ein Anfänger erreichen kann. Tatsächlich können sich die meisten Anfänger nicht verstellen, dass man eine Erfahrung machen kann, ohne dass der Verstand arbeitet. (Mach dir keine Gedanken darüber, wir behandeln im späteren Kapitel, wie diese Stille im Verstand erlangt werden kann.)

Zunächst ist es nur wichtig, den Verstand ein wenig zur Ruhe zu bringen, da dies den „zuhörenden“ Teil der Meditation einfacher macht. Mache dir keine Sorgen, falls es dir nicht gelingt, den Verstand ganz zur Ruhe kommen zu lassen. Gedanken sind wie Fische im Ozean. Du möchtest den Ozean erfahren, aber immer wenn ein Gedanken-Fisch an dir vorbeischwimmt, verlierst du den Ozean aus den Augen. Du solltest einfach vermeiden, die Gedanken zu beachten, ignoriere sie einfach. Sollten Gedanken auftauchen, schenke ihnen keine Aufmerksamkeit und lasse sie einfach ziehen. Zu Beginn solltest du einfach nur daran denken, die Lautstärke deines Verstandes zu vermindern. Wir werden in diesem Buch eine Reihe unterschiedlicher Techniken anbieten, um den Verstand zur Ruhe zu bringen.

An dieser Stelle muss ich noch etwas hinzufügen: Anfänger geben oft auf, weil sie den Verstand einfach nicht ruhigstellen können. Ein vollkommen stiller Verstand ist sehr weit fortgeschrittenen Menschen vorbehalten. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es erst einmal darum geht, die intensiven Gedankenwellen im Verstand zu besänftigen, um den Verstand zu einem etwas ruhigeren Ort zu machen. Später kannst du daran arbeiten, absolute Stille zu erreichen.

4. DAS SPIRITUELLE HERZ

Das spirituelle Herz verkörpert nicht nur das individuelle Bewusstsein, sondern auch das universelle Bewusstsein.                                                                                    

– Sri Chinmoy

Die Meditation, die ich empfehle, findet im spirituellen Herzen statt, nicht im Verstand. Das spirituelle Herz ist nicht das schlagende physische Herz. Das spirituelle Herz ist der Ort, an dem du spontan Liebe, Mitgefühl und Einssein fühlst. Es wird der Schwerpunkt fast jeder Meditationstechnik sein, die hier angeboten wird. (In dem yogische System der Chakren entspricht das spirituelle Herz dem vierten Chakra, dem Herz-Chakra.) Wenn du auf dich zeigst, ist das der Ort des spirituellen Herzens.

Denke an dein spirituelles Herz als ein weiteres Zimmer in deinem Wesen. Wir wachen morgens auf, verlassen unser Schlafzimmer und gehen schließlich in die Küche. In der Meditation verlassen wir den Verstandesraum und betreten den Herzensraum. Nun ja, vielleicht kann man sich das anfangs schwer vorstellen. Aber keine Sorge, in diesem Buch wirst du viele Techniken finden, die dich in dein spirituelles Herz bringen, und mit ein wenig Übung wirst du in der Lage sein, dies einfach und regelmäßig zu tun.

5. INNERE GEWISSENHAFTINGHEIT

Wenn du meditierst, dann sei vollkommen engagiert dabei. Die ersten Übungen dauern nur wenige Minuten. Sei zu diesem Zeitpunkt ganz und gar bei der Sache. Denke nicht über beruflichen Stress nach oder über die Einkäufe, die du später noch erledigen musst. Jetzt zählt nur deine Übung, nichts aus deinem Tagesprogramm ist jetzt wichtig.

Nimm eine geeignete Meditationshaltung ein. Dann gehe sofort einen Pakt mit dir selbst ein. Sage dir, dass diese nächsten paar Minuten deinem inneren Leben gewidmet sind. Für diese wenigen Minuten ist deine ganze Aufmerksamkeit, die innere und die äußere, deiner spirituellen Einkehr gewidmet. Beginne immer damit, dein inneres Streben hervorzubringen und zu spüren, das heißt, deinen inneren Hunger, dein inneres Sehnen nach der Erfahrung.

Jede Technik in diesem Buch baut auf dieser Basisübung auf. In den ersten Übungen werden die Zwischen- schritte detailliert erläutert. In weiteren Übungen überlasse ich die Durchführung der Grundlagen dir.

Meditation im einfachsten Sinne

Hast du dich jemals darüber gewundert, warum die Kerze in spirituellen Zeremonien allgegenwärtig zu sein scheint? Tatsächlich geht es um die Flamme. Die Flamme ist ein wunderbares Symbol für das innere Wesen oder die Seele. Sie verstrahlt Licht und steigt immer nach oben. Die Flamme symbolisiert das innere Streben. Für die folgende Übung benötigst du eine Kerze. Grundsätzlich ist Meditation ein vierstufiger Prozess. Die verschiedenen hier angebotenen Techniken sind alle Ausschmückungen dieser vier Stufen, aber sie erreichen alle dasselbe:

  1. Bekräftige das innere Streben deines Herzens
  2. Mache deinen Verstand sanft und ruhig
  3. Verlasse den Verstandesraum
  4. Betrete den Herzensraum

Während du durch diese Stufen hindurchgeführt wirst, wirst du feststellen, dass alle grundsätzlichen Aspekte enthalten sind.

ÜBUNG: DIE BASIS-KERZENMEDITATION

Stelle an einem geeigneten, stillen Ort (einem von dir bestimmten Meditationsplatz) eine brennende Kerze auf und setze dich in einer angenehmen Entfernung davor, vielleicht in einem halben bis einen Meter.

HALTUNG: Sitze bequem aufrecht. Der Rücken sollte „wachsam“ sein. Erinnere dich, deine Hände vor deinem spirituellen Herzen zu falten, vor deinem Brustkorb.

Beginne damit, dir einfach deiner Hände bewusst zu werden, die den Brustkorb berühren. Versuche, ihre Wärme zu fühlen. Später wird diese Wahrnehmung dir helfen, in dein Herz einzutreten. Nimm dir eine oder zwei Minuten Zeit, um dich auf deine Hände vor deinem Brustkorb zu konzentrieren. Lasse deine Hände während der gesamten Übung dort. Schließe sanft deine Augen.

GEWISSENHAFTIGKEIT IM INNEREN LEBEN: Schließe einen Pakt mit dir selbst. Sage dir, dass diese nächsten fünf, sieben oder zehn Minuten deinem spirituellen Leben gewidmet sind, deiner spirituellen Einkehr. Nichts anderes ist wichtiger in dieser Zeit. Nimm dir eine Minute Zeit, um in deinem Herzen einen aufrichtigen Hunger nach der inneren Eigenschaft oder Idee zu fühlen, die dich am meisten anspricht – sei es Friede, Liebe oder Gott. Stelle dir vor, du bist ein Kind in deinem eigenen Herzen, das sich nach diesen Eigenschaften sehnt. Verweile in deinem Strebsamkeitshunger für eine Minute.

DEN VERSTAND BERUHIGEN: Jetzt lade den Verstand in die Stille ein. Stelle dir über deinem Kopf einen strahlend schönen, wolkenlosen, blauen Himmel vor. Er ist sehr klar und sehr weit. Stelle dir nun mit jedem sanften Einatmen vor, dass alle Gedanken, Vorstellungen und Bilder nach oben in diesen klaren Himmel entschwinden. Fühle keine Notwendigkeit, die Gedanken und Bilder zu ersetzen. Lasse deinen Verstand sanfter und formloser werden. Stelle dir dann vor, dass dein Verstand nun nach oben in den Himmel entschwindet und dich ohne Verstand und Form zurücklässt. Wenn du magst, kannst du wiederholen: „Kein Verstand, keine Form, ich existiere nur. Kein Verstand, keine Form, ich existiere nur.“ Und dann werde still.

Verlasse nun den Verstandesraum…dein Atem ist jetzt wahrscheinlich ruhiger und flacher. Es besteht keine Notwendigkeit, ihn zu vertiefen, aber werde dir seiner bewusst. Während du ein- und ausatmest, stelle dir vor, dass der Atem durch deine gefalteten Hände direkt in dein Herz fließt. Sobald der Atem dort eintritt, „reite“ einfach auf ihm, den Verstandesraum zurücklassend und sich mit jedem sanften Atemzug immer tiefer in den Raum hinter deinen Händen bewegend – in den Herzensraum.

Fühle, dass du jetzt einen festen Platz in deinem Herzen hast. Öffne deine Augen sanft und richte deine ganze Konzentration auf die Kerzenflamme und auf nichts anderes. Schaue nicht auf die linke oder rechte Seite der Flamme oder auf den Kerzenhalter, nur auf die Flamme. Versuche, ein bis zwei Minuten, die Flamme mit deiner Konzentration zu durchdringen.

Schließe sanft deine Augen und stelle dir die Flamme 2-3 cm hinter deinen Händen vor. Sehe sie dort vollkommen ruhig brennend. Konzentriere dich auf sie mit dergleichen Intensität.

Öffne deine Augen wieder und konzentriere dich nochmals auf die Kerzenflamme. Stelle dir diesmal vor, dass du die Flamme in dein Herz hineinziehst. Versuche sie, so tief wie möglich in deinem Herzen zu platzieren.

Schließe wieder deine Augen und sieh die Flamme ein weiteres Mal in deinem Herzen. Verweile für eine Minute. Wenn du bereit bist, nehme eine tiefen Atemzug und öffne deine Augen.

Die Absicht dieser Übung ist es, dich mit Meditation vertraut zu machen und dir einen kleinen Vorgeschmack auf sie zu geben. Ich rate dir, diese Erfahrung nicht zu bewerten. Das wäre sonst wie ein Kleinkind, das sich nach seinem ersten Laufversuch fragt: „Na, wie habe ich das gerade gemacht?“ Wenn du ein wenig mehr Stille erfährst – vielleicht kommt dir der Raum jetzt ruhiger vor – schön und gut. Wenn du nichts gefühlt hast oder vielleicht keinen der Schritte ausführen konntest, macht das nichts. Dubenötigst möglicherweise nur etwas mehr Übung oder eine andere Technik. Viel wichtiger ist, dass du angefangen hast. Du hast begonnen, Meditation zu einem Teil deines Lebens zu machen.

Noch eine kurze Anmerkung: die Worte „Kein Verstand, keine Form, ich existiere nur“ ist die erste Zeile von Sri Chinmoys schönem Gedicht „Das Absolute“. Bitte nimm dir einen Augenblick Zeit, um das ganze Gedicht im Anhang zu lesen.

Hilfreiche Tipps zu ABC der Meditation

Während der Kerzenmeditation habe ich ein paar hilfreiche Tipps gegeben. Diese werden wir uns jetzt genauer ansehen.

Die Übung begann „an einem geeigneten, stillen Ort…“ Sich einen speziellen Meditationsplatz einzurichten, ist sehr hilfreich. Die meisten von uns haben einen Raum, in dem sie schlafen und einen anderen, in dem sie essen. Es ist wunderbar, wenn du einen eigenen Raum für deine Meditation zur Verfügung hast. Aber möglicherweise ist ein eigens dafür vorgesehener Raum augenblicklich nicht möglich. Versuche daher eine Raumecke oder einen bestimmten anderen Ort zu finden, von dem du weißt, dass du dort ruhig sitzen kannst und nicht von deinem Umfeld gestört wirst. Mache daraus einen Meditationsort. Vielleicht möchtest du dort ein schönes Tuch drapieren, frische Blumen und eine Kerze aufstellen. Wenn du von einer bestimmten spirituellen Persönlichkeit inspiriert bist, vielleicht einem spirituellen Lehrer, dann kannst du dort auch ein Foto dieser Person aufstellen.

Offen gesagt habe ich neben dem Meditationsplatz meine gesamte Wohnung so gestaltet, dass sie spirituell inspirierend ist. Die Welt stellt mir schon genügend Herausforderungen. Wenn ich nach Hause komme, möchte ich an einem Ort sein, der mich inspiriert, stärkt und unterstützt. Deshalb habe ich meinen Wohnraum mit Blick auf meine Spiritualität gestaltet.

Wenn du einen speziellen Platz zum Meditieren hast und ihn regelmäßig nutzt, beginnt er, seine eigene Schwingung zu erschaffen. Wenn du jemals einen Tempel oder eine Kirche besucht hast, wo du dich sofort emporgehoben gefühlt hast, dann verstehst du das Konzept dahinter. Hier wurde eine Investition in Form von Gebet und Meditation getätigt und der Raum bewahrte diese Schwingung. Wenn du jedes Mal an dem von dir gewählten Ort meditierst, wird dein Meditationsplatz dich in gleicher Weise bei deiner Meditation unterstützen. (Allerdings sollte man den Meditationsort mit Bedacht wählen: z.B. niemals auf deiner Mikrowelle oder auf einem Tisch, an dem du isst oder arbeitest. Mache etwas Besonderes daraus.)

Es ist von extrem hohem Wert, regelmäßig und pünktlich zu meditieren. Wenn du gewöhnlich um zwölf Uhr zu Mittags isst, wirst du feststellen, dass sich deine innere Uhr wahrscheinlich eine Viertelstunde vor der Essenszeit meldet. Nun, auf die gleiche Weise wird dein innerer Appetit zum Vorschein kommen, wenn du jeden Tag zur gleichen Zeit meditierst, um von deiner Meditation genährt zu werden.

Wie ich zuvor schon erwähnte, ist es am Besten gleich früh morgens zu meditieren. Zu meiner eigenen Praxis gehört es, aufzuwachen, sofort zu duschen oder mich zu waschen, um die Schlaf-Schwingung zu vertreiben und dann zu meditieren. Dies ist ein wertvoller Schritt, um Eigeninitiative zu zeigen. Wenn ich Meditation an erste Stelle setze, dann kann ich sie nicht verpassen!

Es empfiehlt sich, morgens vor 8 Uhr zu meditieren. Danach wird die Erde viel aktiver und hektischer. Je früher, umso besser: Sechs Uhr morgens ist eine hervorragende Zeit für westliche Sucher, die ein arbeitsreiches Leben führen. Östliche Lehren weisen darauf hin, dass drei Uhr morgens die beste Zeit zum Meditieren ist. Diese Uhrzeit wird als die „Stunde Gottes“ bezeichnet, weil es so still ist. Die meisten Westler erleben diese Stunde des Tages ausschließlich dann, wenn sie die Nacht zum Tag gemacht haben! Wenn du inspiriert bist, früh aufzustehen und zu meditieren, versuche es gelegentlich. Aber viel wichtiger ist es, dass du eine feste Zeit für deine regelmäßige Meditation festlegst, zu der dein inneres Streben vollständig erwacht ist. Erinnere dich, alleswas du anfangs brauchst, sind fünf bis fünfzehn Minuten deiner Zeit.

Die folgende Meditation ist eine ganz andere Technik. Hier geht es darum, eine besondere innere Qualität, bzw. Eigenschaft – Dankbarkeit – anzurufen und zu nähren.

„Mein Dankbarkeits-Herz ist alles, was zählt.“

– Sri Chinmoy

Wann immer Sri Chinmoy die Frage gestellt wurde: „Wenn es eine einzige Eigenschaft gäbe, auf die ich mich konzentrieren sollte, welche wäre es?“, antwortete er immer: „Dankbarkeit.“ Dankbarkeit stellt die fruchtbarste Grundlage zur Verfügung, auf der andere innere Eigenschaften ohne weiteres wachsen können.

Um dem Zweck einer Anfänger-Übung gerecht zu werden, werde ich euch noch einmal durch alle Einzelschritte führen.

ÜBUNG: DIE DANKBARKEITS-MEDITATION

HALTUNG: Sitze auf bequeme Weise aufrecht. Dein Rücken sollte „wachsam“ sein. Deine Hände kannst du in deinem Schoß legen oder auf den Oberschenkeln ruhen lassen, aber ich empfehle, sie vor dem Herzen zu falten. Für diese Übung schließe sanft deine Augen.

GEWISSENHAFTIGKEIT IM INNEREN LEBEN: Beginne damit, einen inneren Pakt mit dir zu schließen. Sage dir, dass diese nächsten fünf, sieben oder zehn Minuten deinem spirituellen Leben gewidmet sind, deiner spirituellen Einkehr. Nichts anderes ist in dieser Zeit wichtig. Nimm dir eine Minute, um in deinem Herzen den aufrichtigen Hunger nach der inneren Eigenschaft oder Idee zu fühlen, die dich am meisten anspricht – sei es Friede, Liebe oder Gott. Stelle dich vor, du bist ein Kind in deinem eigenen Herzen, das sich nach dieser Eigenschaft sehnt. Verweile in dieser Sehnsucht, in diesem inneren Hunger für eine Minute.

DEN VERSTAND BERUHIGEN: Wir nutzen dieselbe Technik wie zuvor. Später wirst du andere Techniken lernen, um den Verstand zu beruhigen.

Lade deinen Verstand in die Stille ein. Stelle dir vor, dass über deinem Kopf ein strahlender, wolkenloser, blauer Himmel ist. Er ist sehr klar und sehr weit. Mit jedem sanften Einatmen stelle dir vor, dass alle Formen und Bilder in deinem Verstand nach oben in diesen klaren Himmel entschwinden. Fühle keine Notwendigkeit, diese Gedanken und Bilder zu ersetzen. Lasse deinen Verstand weicher und formloser werden. Schließlich stelle dir vor, dass dein Verstand nach oben in den Himmel entschwindet und dich ohne Verstand und Form zurücklässt. Wenn du möchtest, kannst du für dich wiederholen: „Kein Verstand, keine Form, ich existiere nur. Kein Verstand, keine Form, ich existiere nur.“ Und dann werde still.

Bitte stelle dir vor oder erinnere dich in deinem Herzen an eine Zeit oder eine Erfahrung, mit der du ein aufrichtiges Gefühl von Dankbarkeit verbindest. Rufe diese Erfahrung in deinem Herzen wach, fast als spieltest du ein Video ab, und gleichzeitig aktiviere oder erlebe wieder die Dankbarkeit, die du zu diesem Zeitpunkt fühltest. Versuche mit jedem sanften Einatmen die Rückerinnerung und die Dankbarkeit zu intensivieren.

Mache dies eine Minute lang. Lass nichts anderes, keine anderen Vorstellungen in deinem Verstand zu. Lass diese spezielle Erfahrung nach einer Minute los, und verweile einfach in der Dankbarkeit deines Herzens. Stelle dir vor, dass der einzige Grund, warum du existierst, darin besteht, Dankbarkeit anzubieten – eine Quelle der Dankbarkeit für andere zu sein. Dies ist deine einzige Beschäftigung. Mit jedem Atemzug dehne dieses Gefühl von Dankbarkeit in den Raum direkt vor dir aus. Mache dies ein bis zwei Minuten lang. Dann dehne innerhalb der nächsten Minute die Dankbarkeit auf dieselbe Weise in den Raum hinter dir aus. Danach in den Raum über und unter dir und zu beiden Seiten.

Schließlich lasse einfach Dankbarkeit aus dir in alle Richtungen ausströmen, hoch in den Himmel und zum Horizont. Verweile in diesem Raum, so lange es dir angenehm ist. Stell dir vor, du seist die Dankbarkeit selbst.

Es ist schön, eine Meditation auf angemessene Art und Weise zu beenden, und wir tun dies oft durch eine bestimmte Art des Sprechgesanges, das „Chanten“. Das Chanten ist eine eigene Technik, aber in diesem Fall singe einfach „Shanti“ („Schan-tii“ ausgesprochen) dreimal laut. „Shanti“ ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet „Frieden“. Singe es langsam, auf andächtige und seelenvolle Weise, mit dem Gefühl, dass du Frieden anrufst, während du singst.

Wenn du deine Meditation beendest, kehre nicht zu schnell zur Tagesordnung zurück. Stattdessen beginne bewusst den Prozess, deine inneren mit deinen äußeren Erfahrungen zu verbinden. In diesem Fall, während du deine Augen langsam öffnest, betrachte alles mit Dankbarkeit. Worauf auch immer dein Blick fällt, anerbiete deine Dankbarkeit. Betrachte die Welt mit Dankbarkeit.

Mein Dankbarkeits-Herz weiß immer den Weg.“                                                                                                                      

– Sri Chinmoy

Bei Vorträgen frage ich immer, wie sich Dankbarkeit anfühlt. Typische Antworten sind „liebevoll“ oder „voller Freude“. Meine Lieblingsantwort ist, dass sie sich befreiend und ausdehnend anfühlt. Wann immer ich diese Meditation ausübe, verschwinden all die Kleinigkeiten, die mich während des Tages ärgern und ich dehne mich aus in etwas Liebliches.

Es ist interessant zu bemerken, dass eine einzige wahrhaftige Emotion, in diesem Fall Dankbarkeit, aus anderen Emotionen und Gefühlen besteht. Es ist, als ob das Rezept für Dankbarkeit 1/4 Tasse Freude, 1/2 Tasse Liebe und ein Teelöffel Weite wäre. So ist die Natur spiritueller Qualitäten. In einer Qualität wachsen spontan andere. Beispielsweise ist in wahrhaftigem Frieden eine gewaltige Kraft enthalten.

So beginne deinen spirituelle Reise mit den Qualitäten, die dich spontan ansprechen. Nutze dein Leitbild. (Hast du eines gemacht? Wenn nicht, mache die Übung jetzt!) Du kannst diese einfache Meditation mit jeder Qualität machen, und in dieser Qualität wirst du andere Qualitäten wachsen sehen. Wiederum, wenn du diese Übung nicht ausführen konntest, macht das nichts. Versuche es mehrere Male, um zu sehen, ob es klappt, und wenn nicht, gibt es viele andere Techniken, die du ausprobieren kannst. Erinnere dich daran, dass du deine ganz eigene einzigartige Veranlagung besitzt und schließlich auch deine eigene Art und Weise zu meditieren einzigartig sein wird.

Vermeide es, deine Erfahrungen schnell zu beurteilen. Es ist es wert, es einige Male auszuprobieren. Falls du diese Übung nicht sofort ausführen kannst, macht das nichts. Erinnere dich daran, dass wir noch Anfänger sind und als solche geduldig mit uns und unserem Fortschritt sein sollten.

ÜBUNG: MEDITIERE JEDEN MORGEN UND ABEND

Du kannst jede der beiden Techniken benutzen, die du in diesem Kapitel erlernt hast. Du kannst die Dankbarkeitsmeditation am Morgen machen. Oder du kannst eine Qualität aus deinem Leitbild wählen und anstelle von Dankbarkeit in dieser Übung verwenden. Versuche während des Tages ein bewußter Ausdruck dieser Qualität zu werden. Beobachte sie in anderen. Praktiziere sie in deinem Umgang mit anderen.

Du wirst sehen, dass dieser Vorgang dich in die Lage versetzt, deine inneren Muskeln zu entwickeln. Je mehr du sie trainierst, umso stärker werden sie. Es gibt nichts – ich verspreche es dir – nichts Befriedigen- deres, als dich selbst dabei zu beobachten, zu der Art von Person zu werden, die du gerne sein würdest!

Am Abend könntest du die Kerzenmeditation anwenden. Alternativ kannst du auch beide Techniken zu einer Meditation zusammenfassen, die du sowohl morgens als auch abends nutzen kannst.

An dieser Stelle ist das Ziel, Regelmäßigkeit in deiner Praxis und Wachsamkeit in deinem Leben der Strebsamkeit zu schaffen. Es ist besser, nur sieben Minuten mit höchster Reinheit und Intensität zu meditieren als einfach nur eine halbe Stunde deine Meditation „abzusitzen“. Mache deine Meditation rein und erfüllt mit innerem Streben.

Wenn ich den Ausdruck „Reinheit“ benutze, meine ich das nicht im viktorianischen Sinne. Ich meine es mehr so, wie bei dem Orangensaft, der beworben wird mit: „In diesem Saft ist nichts anderes als Orangen.“ Wenn du mit Reinheit meditierst, sollte es dir nur darum gehen, das Streben deines Herzens zu nähren – und nicht darum, was du später noch zu erledigen oder Probleme, die du noch zu bewältigen hast. Nur die Absicht deines Herzens sollte dir gegenwärtig sein.

„Jede Methode spiritueller Disziplinwird zwei notwendige und untrennbare Flügel haben: absolute Geduld und feste Entschlossenheit.“

– Sri Chinmoy

THE ABSOLUTE

No mind, no form, I only exist;

Now ceased all will and thought.

The final end of Nature´s dance,

I am It whom I have sought.

A realm of Bliss bare, ultimate;

Beyond both knower and known;

A rest immense I enjoy at last;

I face the One alone.

I have crossed the secret ways of life,

I have become the Goal.
The Truth immutable is revealed;
I am the way, the God-Soul.

My spirit aware of all the heights,
I am mute in the core of the Sun.
I barter nothing with time and dees;

My cosmic play is done.

(The Absolute, from: MY FLUTE, Sri Chinmoy)

DAS ABSOLUTE

Kein Verstand, keine Form, ich existiere nur;
Verebbt sind Wille und Gedanken;
Das letzte Ende des Tanzes der Natur,
Ich bin Es, das ich gesucht habe.

Ein Reich der Glückseligkeit, rein, letztlich,

Jenseits des Wissenden wie des Gewussten;
Eine unermessliche Ruhe erfreut mich schließlich;

Mit dem Einen bin ich ganz allein.

Ich habe die geheimen Meere des Lebens durchkreuzt,

Ich bin das Ziel geworden.
Die unveränderbare Wahrheit ist enthüllt;
Ich bin der Weg, die Gott-Seele.

Mein Geist ist sich aller Höhen bewusst;

Bin ich stumm im Herzen der Sonne.

Nichts habe ich zu tun mit Zeit und Taten;

Mein kosmisches Spiel ist getan.

(Gedicht aus dem Buch „My Flute“ von Sri Chinmoy; Übersetzung aus: Songs of the Soul/ Seelen-Lieder)

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